66 - König Johann

66 - König Johann

König Johann (*12.12.1801 in Dresden †29.10.1873 in Pillnitz) war von 1854 bis 1873 König von Sachsen.

König Johann von Sachsen trat nach dem Tod seines kinderlosen Bruders Friedrich August II. 1854 dessen Nachfolge an und erlebte eine Zeit gesellschaftspolitischer Veränderungen mit dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und dem Entstehen des Deutschen Kaiserreiches. Nach Eingliederung Sachsens 1866 in den norddeutschen Bund verlor das Land an Selbständigkeit.
König Johann erkannte deutlich den starken Einfluß parlamentarischer Institutionen und Kräfte und tolerierte seine Beschränkung auf vorwiegend repräsentative Pflichten. Die Politik wurde nicht mehr vom König getragen, sondern lag in den Händen der Minister – besonders Bismarck. Er respektierte den Monarchen und holte oft dessen Meinung und Rat ein.
König Johann verfügte über fundiertes Wissen und praktische Erfahrungen u.a. in Verwaltung und Recht, strahlte Ruhe und Gelassenheit aus und bewahrte sich Loyalität und Toleranz. Er führte 1861 das sächsische Gewerbegesetz ein, das den Kündigungsschutz, Lohnzahlungen nach Tarif sowie Krankenkassen für die arbeitende Bevölkerung beinhaltete. Außerdem beherrschte er sechs Sprachen, dichtete in Griechisch und übersetzte Dantes ‚Göttliche Komödie’.
Er galt als zielstrebig und pflichtbewußt, arbeitete gewissenhaft und verfügte über viel Sachkenntnis. Bei einer Italienreise entdeckte er sein Herz für die bayrische Prinzessin Amalie Auguste und schloß mit dieser 1822 die Ehe, aus der neun Kinder hervorgingen. Ein Jahr nach ihrer Goldenen Hochzeit schlossen sich König Johanns Augen am 29.10.1873 in Pillnitz für immer. In der Familiengruft der Katholischen Hofkirche Dresden wurde er beigesetzt.