80 - Prof. Schilling, Bildhauer

80 - Prof. Schilling, Bildhauer

Johannes Schilling studierte an der Akademie in Dresden und Berlin, wird 1845 Meisterschüler bei Ernst Rietschel. Ab 1868 Professor an der Hochschule für Bildende Künste (Kunstakademie) in Dresden. Promotion zum Dr.phil., Professor an der Berliner Akademie. Am 11. Oktober 1883 Ehrenbürger von Dresden und 1877 Ehrenbürger in seiner Geburtsstadt Mittweida.

Johannes Schilling (* 23. Juni 1828 in Mittweida; † 21. März 1910 in Klotzsche bei Dresden) war ein deutscher Bildhauer.

Johannes Schilling wurde 1828 als fünftes Kind des Prokuristen Julius Schilling und der Anna Schilling in Mittweida geboren, er stammt somit aus der adligen Familie Schilling. Die Eltern gingen bereits ein Jahr nach seiner Geburt nach Dresden, wo Johannes Schilling aufwuchs. Mit sechs Jahren besuchte er die Privatschule Böttchers am Altmarkt und kam mit 14 Jahren an die Kunstakademie in Dresden, wo ihn unter anderem Karl Gottlieb Peschel im Zeichnen unterrichtete. Nach dem Studium wurde er 1845 einer der Meisterschüler im Atelier des Bildhauers Ernst Rietschel. In den Jahren 1851 und 1852 hielt sich Schilling in Berlin auf, wo er von Christian Daniel Rauch und Johann Friedrich Drake unterrichtet wurde.

Im Jahr 1852 kehrte er nach Dresden zurück und arbeitete und lernte bis 1854 im Atelier des Bildhauers Ernst Julius Hähnel. Anschließend ging er auf eine Forschungsreise nach Rom, von der er 1856 zurückkehrte. Im Jahr 1857 richtete sich Schilling in Dresden sein eigenes Atelier ein und nahm erste Aufträge unter anderem für Bauten Gottfried Sempers an. Im selben Jahr heiratete Johannes Schilling in Dresden Louise Isidora Arnold, die Tochter des Verlegers Ernst Sigismund Arnold. Aus dieser Ehe stammen unter anderem Rudolf Schilling, der Architekt und Mitinhaber der Baufirma Schilling & Graebner, und Katharina Susanna Schilling, die spätere Ehefrau des Chemikers Arthur Hantzsch.

Im Jahr 1861 bekam Johannes Schilling den Auftrag für die Gestaltung der Treppe der Brühlschen Terrasse, die im Jahr 1868 fertiggestellt wurde. Die aus Sandstein gefertigte Figurengruppe Vier Tageszeiten wurde 1908 durch Bronzegüsse ersetzt, die Originale befinden sich heute am Schlossteich in Chemnitz. Die Vier Tageszeiten wurde für Johannes Schilling der Durchbruch als Bildhauer. Zahlreiche weitere Aufträge folgten, die ihn durch ganz Europa führten. Zentrale Werke entstanden auch in Dresden, wo Schilling unter anderem die Quadriga der Semperoper und das Reiterstandbild für König Johann von Sachsen schuf.

In Dresden wurde Johannes Schilling 1868 als Professor an die Kunstakademie berufen, an der er bis kurz vor seinem Tod lehrte. Zu seinen Schülern zählten Carl Schlüter, Jakob Otto Schweizer und George Simonds. Bereits zu Lebzeiten wurde um 1888 auf der Pillnitzer Straße in Dresden ein nach Plänen seines Sohnes Rudolf errichtetes Schilling-Museum eröffnet, das zu den Städtischen Sammlungen gehörte und in dem Gipsmodelle und Entwürfe Johannes Schillings ausgestellt waren. Das Museum wurde 1945 zerstört. Einen Teil seines künstlerischen Nachlasses vererbte er seiner Geburtsstadt Mittweida mit der Auflage, ein eigenes Schilling- Museum zu errichten. Dies wurde jedoch durch den Ersten Weltkrieg nicht realisiert. Erst im Jahr 2005 erfüllte sich nach fast 100 Jahren sein Vermächtnis durch das Schilling-Haus in seiner Geburtsstadt. Johannes Schilling zählt zu den Künstlern, die in der letzten Gruppe des 1907 in seiner jetzigen Form fertiggestellten Fürstenzugs in Dresden dargestellt werden.

Johannes Schilling starb 1910 in Klotzsche, heute ein Stadtteil von Dresden, und wurde auf dem Trinitatisfriedhof beerdigt. Später erfolgte seine Umbettung nach Meißen-Zscheila in das Schillingsche Familiengrab in der Gruft der dortigen evangelischen Kirche.